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Erster Rundbrief - Meine ersten Eindrücke

Autor: Niklas | Datum: 20 Dezember 2015, 22:19 | 0 Kommentare

Da bin ich also - in Togo. Seit Anfang Oktober wohne ich jetzt schon hier in Notsé, arbeite im "Collège Protestant de Notsé" der Eglise Evangélique du Togo (EEPT) und singe in 2 Chören der hiesigen Gemeinde mit.Lomé

Wenn man einmal von der Palmenallee zwischen Straße und Sandstrand, den riesigen Hotels und anderen Gebäuden, wie man sie aus Großstädten so kennt und der Tatsache absieht, dass Ho nur 80.000 Einwohner hat und Lomé 1,5 Millionen, ist der auffälligste Unterschied, dass hier kaum PKW-Taxen zu finden sind, dafür aber Unmengen an Motorradtaxen, die sich an jeder roten Ampel in einer Traube direkt an der Kreuzung sammeln um sich bei Grün dann wieder zu zerstreuen.

Durch den kurzfristige Wechsel der Einsatzstelle, der erst noch organisiert werden musste, da die Kirche hier selbstverständlich erst nach unserer Einwilligung damit begonnen hatte, hatten wir dann einen Aufenthalt von 10 Tagen in Lomé, hier waren wir in Gästezimmern der Kirche untergebracht.

Im Laufe dieser Zeit wurden wir der Kirchenleitung der Eglise Evangélique du Togo vorgestellt, haben unsere Jahresvisa beantragt und haben ein Konzert der verschiedenen Chöre der Gemeinde hier angehört.

Notsé

Ankunft

Pünktlich zum 1. Oktober kam ich dann schließlich in meinem endgültigen Ziel in Notsé an. Hier bin ich in einem - besonders für zwei Personen - sehr geräumigen Haus untergebracht mit einem Gästezimmer, zwei Duschen, zwei Schlafzimmern und einem großen Raum, der Küche, Wohn- und Esszimmer in sich vereint. Das Haus steht auf einem großen ummauerten Gelände der Kirche, auf welchem auch die Kirchenverwaltung für diese Region untergebracht ist. Außerdem befindet sich hier nebst dem Haus unserer Mentorin auch noch ein großes Gästehaus, zwei Ananasfelder, eine kleine Sojaplantage und die Verwaltung für Projekte der EEPT hier in der Umgebung.
In den ersten Wochen hier haben wir sogar frisch geerntete Ananas geschenkt bekommen - die besten Ananas, die ich je gegessen habe.

Da Sophie und ich die ersten Freiwilligen hier in Notsé sind, war vor allem die Küche am Anfang noch sehr spärlich ausgestattet, allerdings wurde dieser Umstand gleich am nächsten Markttag zwei Tage später behoben als wir mit Albert auf den Markt gingen und uns unsere Küchenausstattung selbst zusammensuchen durften.

Einkaufen

Eingekauft wird hier prinzipiell auf dem Markt, oder an den unzähligen Marktständen, die in der ganzen Stadt die Straßenränder schmücken, einen Supermarkt gibt es hier in Notsé überhaupt nicht. Jeden Samstag ist hier Markttag mit zwei großen Märkten, einer im Inneren der Stadt und einer ein wenig außerhalb. Der größte Unterschied zwischen den beiden Märkten ist der dem Einkäufer zum Bewegen zur Verfügung stehende Platz: auf dem alten Markt stehen die Stände so dicht beieinander, dass zwar zwei Personen bequem aneinander vorbei können, allerdings fühlt man sich wie in einer riesigen Markthalle, da man immer vom Dach eines der Marktstände überragt wird. Auf dem neuen Markt ist wesentlich mehr Platz zwischen den einzelnen Marktständen allerdings muss man es dafür in Kauf nehmen, dass man praktisch überall in der Sonne steht - so viel kühler ist der alte Markt jedoch auch wieder nicht. An den Straßenständen kann man die ganze Woche über einkaufen, allerdings sind diese häufig teurer als der Markt. Auf den beiden Märkten findet man praktisch alles, wenn man weiß, wo man suchen muss, von technischen Geräten und Handwerksbedarf über Schreibwaren, Geschirr und Klamotten bis hin zu den verschiedensten Lebensmitteln. Es gibt auch einige kleine Läden, die die ganze Woche über geöffnet haben. Diese bestehen im wesentlichen aus einem Raum mit bis oben hin vollgestapelten Wänden und oft noch einem Stand davor.

Wetter

Die ersten Wochen in Notsé konnte ich auch noch die letzten Ausläufer der Regenzeit miterleben. Abends zwischen 5 Uhr und 6 Uhr fängt es ohne jegliche Vorwarnung binnen Sekunden an Bindfäden zu regnen und hört dann erst Stunden später wieder auf. Das ist besonders dann ungünstig, wenn man seine Wäsche draußen auf der Leine zum Trocknen aufgehängt hat und nicht früh genug bemerkt, dass es gleich zu regnen beginnt. Ist die Wäsche nämlich nicht vor dem Regen drinnen, ist sie sofort wieder so nass, wie vor dem Aufhängen.

Vom sonstigen Wetter völlig unabhängig bleibt die Temperatur hier tagsüber im allgemeinen bei ungefähr 30°C, nur unmittelbar während des Regens und natürlich nachts wird es ein wenig kühler.

Auch das Verhältnis zwischen Tag und Nacht ist hier auf Grund der Äquatornähe sehr ausgeglichen: abends um 6 Uhr ist es dunkel und morgens um 7 Uhr gehe ich bereits mit Sonnenbrille aus dem Haus.

Musik

In meiner Gemeinde hier gibt es zwei Frauenchöre, einen Jugendlichenchor und den großen Chor. Alle Chöre singen in jedem Gottesdienst, bei den ersten drei Chören beschränk sich das allerdings auf ein bis zwei Lieder. Der große Chor dagegen zieht zu Beginn des Gottesdienstes zusammen mit dem Pfarrer singend in die Kirche ein, singt bei jedem Lied mit, singt vor und nach der Predigt und zieht am Ende des Gottesdienstes wieder singend mit dem Pfarrer aus der Kirche aus. Viele der Lieder werden zudem von einem Ensemble aus mehreren Trommeln, einer Trompete, einer Posaune und einem Klavier begleitet.

Zunächst bin ich nur dem großen Chor beigetreten. Dieser probt dreimal die Woche abends für eineinhalb Stunden und hat zusätzlich noch eine kurze Generalprobe direkt vor dem Gottesdienst. Gesungen werden natürlich sehr viele Choräle aus dem Gesangbuch, aber auch einige andere Lieder; zu diesem Zweck haben Sophie und ich je eine Liedermappe mit 175 Liedern bekommen.
Die Chormitglieder sind hier auch abgesehen von den vielen wöchentlichen Proben sehr ambitioniert dabei. Die Chorproben sind immer eine Viertel- bis Halbestunde länger als angesetzt und selbst wenn der Chorleiter eine Stunde überzieht, verzieht nicht auch nur eines der Mitglieder eine Miene.

Als ich dann noch dem Jugendlichenchor beigetreten bin, kam zu meiner Liedermappe mit den 175 Liedern des großen Chores noch eine "kleine" Mappe mit den 70 Liedern des Jugendlichenchores dazu.

Seit kurzem bekomme ich zudem noch zweimal wöchentlich Trommel-Unterricht.

Schule: Collège Protestante de Notsé

Nach unserer Ankunft hier ging es dann sehr schnell mit dem Arbeiten los. Montags wurden uns die Grundschule und das Collège gezeigt und wir wurden den Schulleitern vorgestellt. Abends bekamen wir dann auch schon unseren Stundenplan für das Collège und Dienstag hatten wir bereits unsere erste Deutschunterrichtsstunde.

Das Collège geht von der 6ème bis zur 3ème (das entspricht der in Deutschland der 6.-9. Klasse) und besteht aus sechs Klassenräumen, einem Lehrerzimmer, dem Büro des Direktors und einem großen Platz vor der Schule. Inzwischen sind die beiden größten Klassen auch halbiert, sodass die 6ème jetzt aus zwei Klassen à 52 Schülern und die 4ème aus zwei Klassen mit 52 und 50 Schülern besteht; in der 5ème sind 85 Schüler und in der 3ème 77. Jede Klasse hat ihren eigenen Klassenraum, in welchem alle Fächer unterrichtet werden und aufgrund der Klassengrößen kann der Unterricht nur frontal stattfinden.

Der Schultag beginnt mit dem Hissen der Fahne. Sobald alle Schüler in den Klassen sind, wird zunächst die Nationalhymne gesungen, dann spricht ein Schüler ein Gebet, woraufhin die ganze Klasse in ein "Vater Unser" einstimmt.

Jeden Tag von morgens 6.40 Uhr bis mittags 13.25 Uhr finden hier sieben Unterrichtsstunden à 50 Minuten statt. Beginn sowie zum Schluss jeder Unterrichtstunde und Pause wird von einem Schüler gepfiffen, allerdings läuft der Unterricht ungestört weiter, bis ihn der Lehrer für beendet erklärt.

Da die Schüler in vielen der Fächer keine Bücher verwenden, kann man auf den Tafeln bisweilen so manches elaboriertes Tafelbild bewundern.

Ich fühle mich hier auf jeden Fall sehr wohl, alle Menschen, denen ich bis jetzt begegnet bin sind sehr nett. Nur an das ständige "Yovo" ("Weißer") muss man sich eben gewöhnen, aber da gibt es wirklich schlimmeres und besonders die kleineren Kinder sind jedes Mal aus dem Häuschen, wenn Sophie oder ich an ihnen vorbeikommen - so viele Europäer gibt es hier sonst nicht.

Meinen Namen habe ich hier allerdings nur partiell beibehalten. Ich weiß nach wie vor nicht woher, aber irgendwoher stammt die Annahme, ich hieße "Mich(a)el". Ich habe mittlerweile aber aufgegeben, es zu korrigieren - man gewöhnt sich einfach daran. Hier höre ich nebst "Niklas" also auch noch auf "Kofi" (das ist der Ewe-Name einer Person, die an einem Freitag geboren wurde), "Nicola", "Nicholas", "Michel" und "Michael".

Viele liebe Grüße aus dem auch im "Winter" warmen Togo, Niklas

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